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How Not To: Gimbal kaufen und was Sonnenbrillen und PayPal damit zu tun haben

How Not To: Gimbal kaufen und was Sonnenbrillen und PayPal damit zu tun haben

Wenn dich ein Freund bei Facebook auf einer Werbeanzeige markiert, wo ein 22,99$ Low-Budget-Gimbal beworben wird, kauft es nicht. Kauft es einfach nicht! Auch nicht, wie ich, weil ich nur neugierig war, und mal sehen wollte, was ein Low-Budget-Gimbal für 22,99$ so kann, oder ob die Werbeanzeige echt ist, und ob das klappt. Hier in kleiner Erfahrungsbericht, wie man in einem Betrugsfall über PayPal sein Geld zurück bekommt.

(Wer ein Gimbal nicht kennt: Das ist ein Kamera-Stabilisator zum filmen von sowas z. B.: evo outrun wörthersee 2019)

Ich war gespannt, nicht sehr optimistisch, aber sehr gespannt, was das wohl bringen würde. Die Anzeichen, dass das gehörig schief gehen könnte, waren schon groß…

  • Ein Gimbal für 22,99$?
  • Sie haben den Namen ihres Facebook-Profils falsch ggü. der Website geschrieben? Shinorm? Shinorn? Hm.
  • Es gibt nicht ein Review oder auch nur eine Erwähnung eines Gimbals dieser Firma im Netz?

Aber das Risiko war bei 22,99$ zzgl. ein paar Dollar Versand überschaubar, also dachte ich, ich gönn mir den Spaß.

Shinorm Shinorn low budget Gimbal

Also habe ich 29,98$ an 成都恒特浩达贸易有限公司 bezahlt und gewartet. Mein Kumpel, der mich auf die Anzeige hingewiesen hatte, hat dem ganzen auch eine Chance gegeben. Es dauerte eine Weile. Eines Morgens schrieb mir mein Kumpel, er habe ein Paket aus China bekommen, das er gar nicht bestellt hatte und schickte mir auch ein Foto vom Inhalt. In dem Paket war eine Sonnenbrille. Ich musste schon etwas lachen, aber dachte mir nichts weiter dabei. Am gleichen Tag mittags, als bei mir der Paketbote klingelte, wurde ich schon etwas stutzig, als er mir ein identisch aussehendes Paket in die Hand drückte…

Und was war drin? Richtig, kein Low-Budget-Gimbal:

Gimbal entpuppt sich als Betrug – Sonnenbrille

 

(Ur gut! Mit „Certification“ und einem Bullet Proof-Aufkleber. Klar, wenn an den Bügeln der Brille noch massenhaft Grate vom Kunststoff-Spritzguss sind, ist das ein eindeutiges Zeichen für Bullet Proof-Qualität.)

Ok. Ja ok, war abzusehen, dass uns niemand ein Gimbal für ein paar Kröten verkauft. Aber lustig war es schon, statt einem Low-Budget-Gimbal einfach random eine Sonnenbrille zu finden. Und weiter? Geld abschreiben und als Lehrgeld verbuchen?

Ich war neugierig und wollte mal herausfinden, wie groß die Hürden sind, sein Geld über PayPal bei einem Betrugsfall wiederzubekommen. Hier ein kleiner Abriss, wie das funktioniert und man sogar ohne Rücksendekosten aus der Nummer wieder rauskommt:

  1. Man macht bei PayPal einen Käuferschutzfall auf und schildert die Gegebenheit. Dann räumt PayPal dem Verkäufer einen Zeitraum X ein, in dem er reagieren muss. Am letzten Tag vor Ablauf der Frist hat 成都恒特浩达贸易有限公司 reagiert. Er hat angeboten, mir das Geld zu erstatten, wenn ich die Sonnenbrille auf eigene Kosten zurücksende.
  2. Nun muss man wissen, dass Versand von DE ➡️ CN deutlich teurer ist, als umgekehrt. Die Rücksendekosten hätten 19,89€ betragen. Schon unverhältnismäßig viel in Anbetracht der Gesamtsumme der 22$/39$ Sonnenbrille (je nachdem, ob man dem Verkaufspreis oder dem Etikett glauben schenken darf). Man hat keine Option, noch weiter auf den Käuferschutzfall zu reagieren. Also hab ich bei PayPal angerufen und die Situation geschildert – Betrugsfall dies-das-Ananas. Und dann hat man mir an der Hotline etwas erzählt, was ich noch nicht wusste: PayPal bietet bis zu einem bestimmten Betrag pro Jahr und Anzahl an Rücksendungen eine Erstattung von Rücksendekosten an. Richtig gut!
  3. Am Telefon habe ich auch die weitere Vorgehensweise erklärt bekommen.
    1. Ich verpacke die Sonnebrille wieder ordnungsgemäß und mache davon „Beweisfotos“. Die reiche ich bei PayPal ein, als Nachweis dafür, dass auf meiner Seite alles i.O. ist, und schicke das los.
    2. Die Quittung vom Versand hebe ich auf und stelle einen Antrag auf Erstattung der Rücksendekosten. Die Rücksendekosten hatte ich auch ca. eine Woche später wieder auf meinem PayPal-Account.
    3. Fehlt „nur noch“ das Geld des Kaufes. Im Käuferschutzfall muss man die Trackingnummer eintragen. Daraufhin wird wieder eine Frist eingeräumt – vermutlich eine Schätzung, wie lange ein Paket braucht. Ich habe den Trackingstatus gelegentlich kontrolliert, irgendwann war das Paket auch in China angekommen und war dort dann in einem „befindet sich in Zustellung – konnte nicht zugestellt werden“-Loop. Die Frist bei PayPal wurde einige Male verlängert. Irgendwann wurde – wir mir auch an der Hotline erklärt wurde – der Fall zu meinen Gunsten entschieden und ich habe das Geld zurück bekommen. Das kommt zustande, da ich mich korrekt verhalten habe, und ich nicht auf die erfolgreiche Zustellung angewiesen bin: Egal, ob die Adresse existiert, an die die Retoure gesendet werden soll, oder ob der Empfänger/Verkäufer die Annahme des Paketes verweigert, der Fall wird zu Gunsten des Geschädigten entschieden, wenn er sich korrekt verhalten hat.

Alle Angaben ohne Gewähr.

Kleiner Nachtrag in Form einer Erkenntnis noch: Die ganze Aktion war wirklich überflüssig. Für meinen ohnehin schon wirklich großen CO2-Fußabdruck durch viele Auto-Kilometer pro Jahr wäre es besser gewesen, wenn ich es als Lehrgeld abgestempelt hätte, und nicht die Umwelt durch völlig unnötige Paket-Transfers von A ➡️ B ➡️ A belastet hätte. Der CO2-Kompensations-Ablasshandel in Form von „freigekauften“ verbrauchten Kilogramm CO2 ist etwas umstritten und auch ich bin der Meinung, dass es besser ist, die Umwelt erst gar nicht zu belasten, aber vielleicht mache ich das mal.

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